Immer mehr Senioren sehen Mobiltelefone nicht mehr als Last jüngerer Generationen an, sondern haben selbst ein Handy. Hieraus erschließt sich bei den Herstellern ein ganz eigener Markt, der allerdings meiner Meinung nach noch nicht vollständig erschlossen ist. Zwar gibt es Sonderanfertigungen von Herstellern wie Siemens, bei denen die Handys über ein besonders großes Display verfügen oder große, gut sichtbare Tasten haben. Wichtig ist bei Senioren aber vor allem die einfache Handhabung, sind doch in hohem Alter Dinge wie mobiles Internet, integrierte Navigation, Jamba, mehrere Millionen-Farbdisplay und hyper-auflösende Kamera eher belastend als unbedingt notwendig.
“Seniorengerechte Technik” ist dabei das Zauberwort. Daher gibt es bereits Handys von No-Name-Herstellern, die nur über drei Tasten verfügen. Mir stellt sich allerdings die Frage, ob es unbedingt eine Erleichterung und Vereinfachung darstellt eine Telefonnummer zu wählen, wenn man nur drei Tasten zur Verfügung hat. Die einfachste Methode an ein Senioren-taugliches Handy zu kommen ist alte Modelle von z.B. Nokia zu verwenden, die über ein großes Schwarz-weiß Display und große, leuchtende Tasten verfügen. Die alten Modelle sind für wenig Geld bei Ebay zu ersteigern oder in jedem Telekommunikationsgeschäft kostengünstig zu erstehen.
Rentner und Senioren mögen vielleicht koordinative Schwierigkeiten im Umgang mit Technik besitzen, allerdings verfügen sie über genügend Zeit, um sich mit dem Erlernen auseinander zu setzen. Seniorengerechte Technik ist ein stark vernachlässigtes Feld, weshalb Wissenschaftler der TU-Berlin sich in einem speziellem Forschungsprojekt diesem Problemfeld verschrieben haben.
Wie die Wissenschaftler ermittelten, dauert es zwar um rund ein Drittel der Zeit länger, bis die Senioren die ihnen gestellten Aufgaben bewältigten, allerdings kamen sie mit ein wenig Übung mit allen technischen Herausforderungen zurecht. Die größte Problematik im Umgang mit der neueren Technik war die Abkehr von Grundprinzipien. Ältere Menschen gehen davon aus, dass beispielsweise nach dem Drücken einer Taste eines Handys eine unmittelbare Reaktion erfolgt. Dies bedeutet eigentlich nur, dass Senioren wie bei einem Lichtschalter, wo das Licht zu Leuchten beginnt, auch mit dem Drücken sofort eine Änderung erwarten. Die Menüführung zum gewünschten Ergebnis musste ihnen im Rahmen des Forschungsprojektes völlig neu erläutert werden.
Firmen, die sich aktiv mit seniorengerechter Technik auseinandersetzen, müssen sich bewusst sein, dass Gerät einfach zu strukturieren, ohne das es dadurch einen Qualitätsverlust erfährt. Dass ältere Menschen neue Techniken meiden ist eine weit verbreitete Mär, sie muss lediglich verständlich aufbereitet sein. Mit ein wenig Übung und einer fachgerechten Anleitung stehen auch Senioren alle Techniken offen.